Bitte „sozial schwach“ vermeiden
Immer noch wird viel zu oft der Begriff „sozial schwach“ in Diskussionen verwendet. Dazu habe ich ein Musterschreiben entworfen, das per Mail, Leserbrief usw. gern – selbstverständlich auch mit persönlichen Anpassungen – verwendet werden darf.
Joachim Winters
Guten Tag,
während Ihres [im Übrigen sehr sehens- | lesens- | hörenswerten] Posts/Interviews/Vortrags … sprachen Sie von „sozial Schwachen“. Gerade angesichts der aktuellen politischen Debatte ist dieser Begriff m.E. sehr problematisch.
Denn dazu gab es bereits im April 2020 einen Kommentar auf uebermedien.de mit dem Leitsatz
Wer „sozial schwach“ sagt, betreibt „social degrading“.
und 2022 brachte es Sarah Bosetti in einem sehr guten Podcast zu Sylt anlässlich des 9-Euro-Tickets auf den Punkt:
„Ja, unsere Gesellschaft hat ein Problem mit sozial Schwachen, aber nein, damit sind nicht die Menschen mit wenig Geld gemeint.“
Ich freue mich, dass die falsche und stigmatisierende Bezeichnung „sozial schwach“ für tatsächlich „Einkommensschwache“ oder (wenn man den Begriff sozial unbedingt verwenden will „sozial Benachteiligte“) immer seltener zu hören und zu lesen ist. [Denn auf Mails wie diese erhalte ich durchweg positive Reaktionen.]
Ich bin mir sicher, dass Sie mit Ihrer Formulierung niemanden persönlich verunglimpfen möchten, würde mich aber sehr freuen, wenn Sie den irreführenden oder sogar diskriminierenden Begriff „sozial schwach“ in Zukunft vermeiden.
Mit bestem Dank
und freundlichen Grüßen
